13,3 Millionen Franken fliessen
ins Säuliamt

Der Bund hat den Säuliämtler Landwirten im Jahr 2019 rund 13,3 Millionen Franken an Direktzahlungen ausbezahlt. Bei der Höhe der Beiträge spielt die Anzahl bewirtschafteter Hektaren eine Rolle. Entscheidend ist jedoch auch, wo die Flächen liegen oder was darauf wächst.

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Der Bund unterstützt die Schweizer Landwirtschaft jährlich mit Direktzahlungen im Umfang von 2,8 Milliarden Franken. Wie viel Geld davon in den Bezirk Affoltern fliesst, zeigen Daten, die der «Anzeiger» vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz erhalten hat. 

 

Die neusten verfügbaren Zahlen stammen von 2019. In jenem Jahr wurden im Säuliamt rund 13,3 Millionen Franken ausbezahlt. 233 Betriebe waren direktzahlungsberechtigt. Durchschnittlich erhielt ein Landwirt 57'000 Franken. Allerdings ist diese Zahl wenig aussagekräftig, weil die Betriebe unterschiedlich gross sind. Der flächenmässig kleinste bewirtschaftet 3,6 Hektaren Land und erhielt 4'800 Franken, der grösste unterhält knapp 90 Hektaren. Für das Jahr 2019 wurden ihm 228'000 Franken ausbezahlt. Mit diesem Beitrag ist er deutlicher Spitzenreiter: Nur knapp zehn Prozent der übrigen Höfe haben mehr als 100'000 Franken Direktzahlungen erhalten.

 

Mehr Geld für Hanglagen oder Flächen entlang der Reuss
Die bewirtschaftete Landfläche spielt bei der Berechnung der Direktzahlungen zwar eine Rolle, weil die Landwirte pro Hektare und Jahr einen Grundbetrag erhalten. Sie allein ist für die Höhe der Beiträge jedoch nicht entscheidend. So werden in Maschwanden insgesamt 410 Hektaren Land bewirtschaftet, was den 16 Betrieben mit 1,1 Millionen Franken vergütet wird. Pro Hektare erhält ein Landwirt in Maschwanden durchschnittlich 2'738 Franken im Jahr – so viel wie nirgends im Bezirk. Martin Haab, Landwirt in Mettmenstetten und Präsident des Zürcher Bauernverbands, vermutet die Gründe in der Topografie: «In Maschwanden gibt es im Reussgebiet viele Riedflächen, die von Bauern bewirtschaftet werden. Diese Flächen sind lukrativ, weil sie für die Biodiversität als wertvoll gelten und deren Pflege deshalb höher entschädigt wird. Auch deshalb, weil der Ernteertrag häufig gering ist.»

 

Das Pendant zu Maschwanden sieht Haab in Stallikon. Dort gibts pro bewirtschaftete Hektare Land jährlich 2'519 Franken, was ebenfalls deutlich mehr ist als in den meisten anderen Gemeinden. «Weil Stallikon am Fuss des Üetlibergs liegt, gibt es viele Hanglagen. Diese sind in der Bewirtschaftung aufwendiger, deshalb bezahlt der Bund für diese Flächen einen Zuschlag.» Nicht zuletzt seien an Hanglagen viele Biodiversitätsförder­flächen zu finden, wie etwa Magerwiesen, die besonders artenreich sind. Diese würden wiederum speziell gefördert und deshalb zusätzlich entschädigt, so Haab.

 

Auch Bäume lohnen sich finanziell 
Unter den Betrieben im Bezirk gibt es solche, die pro bewirtschaftete Hektare deutlich mehr erhalten als die anderen.  Der Durchschnitt liegt bei 2'100 Franken. Einzelne erhalten jedoch bis zu 3'500 Franken, ein Betrieb gar 4'800 Franken pro Hektare. Neben Hanglagen und Biodiversitätsförderflächen können auch Bäume in der Abrechnung «kräftig einschenken», wie Martin Haab erklärt. Pro Baum – unabhängig seines Zustands – gibts 60 Franken. Stehen diese Bäume an einem Ort, an dem sie der Biodiversität nützlich sind, kommt ein sogenannter Vernetzungsbeitrag hinzu.

 

Weniger Betriebe, höhere Beiträge
2019 waren im Säuliamt 15 Betriebe ­weniger direktzahlungsberechtigt, als noch fünf Jahre zuvor. Gleichzeitig ist die Gesamtsumme an Direktzahlungen nicht gesunken, sondern leicht angestiegen – um 100'000 Franken. Das heisst, der durchschnittlich ausbezahlte Betrag pro Betrieb hat sich erhöht. Martin Haab gibt zu bedenken, dass einzelne Betriebe zwar dichtgemacht hätten, deren landwirtschaftliche Fläche damit aber nicht brachliege, sondern von anderen Bauern weiterbewirtschaftet werde. Zudem, sagt er, sei es denkbar, dass es einzelnen Betrieben in den letzten Jahren gelungen sei, die Beiträge auf ihrer Landwirtschaftsfläche zu erhöhen. Möglich sei das beispielsweise, wenn Bauern auf ihren Biodiversitätsförderflächen eine höhere Qualität erreichen (vgl. unten «Biodiversitätsbeiträge») oder wenn sie an Tierwohlprogrammen (vgl. «Produktionssystembeiträge») teilnehmen.

Dieser Beitrag ist am 23. April im Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern erschienen. Ein PDF mit dem vollständigen Bericht ist hier zu finden.